Blaues Wunder(-Café)

In der Lilienstraße in München-Au locken die blau-weißen Markisen und rustikalen Tische in Form von Holzstämmen ins Café Blá. Hier verwirklichte Stephanie Bjarnason ihren Traum vom eigenen Café. Die halb französische, halb isländische Inhaberin lässt hier den besonderen Lebensstil der Isländer aufleben. Das spiegelt sich in der Einrichtung, der Speisen und Getränke, aber auch im Namen wider. 

Stephanie erklärt mir, dass die isländische Sprache eigentlich sehr hart ist. Daher war es nicht leicht, einen Namen zu finden, der einfach auszusprechen oder zu merken ist. Außerdem ist es ihr wichtig, mit dem Namen des Cafés, direkt ein Bild im Kopf zu erzeugen. „In Island steht „Blá“ für die Farbe Blau, der Vertrauen und Verlässlichkeit zugesprochen wird. Die Farbe wirkt nicht nur beruhigend und entspannend, sondern vermittelt eine Energie, die es schafft Stress und Hektik abzubauen.“ Perfekt also für ein Café, in dem man gemütlich bei einem Kaffee und Kuchen zusammen sein und sich unterhalten kann. Dies passt wiederum auf die französische Ableitung des Wortes „Blá“.  

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Lange wollte Stephanie ihr Café "Álfrún" nennen, was übersetzt „Elfengeheimnis“ heißt – aber tatsächlich schwer zu merken ist, wenn man der isländischen Sprache nicht mächtig ist. Diesen Namen hat sie daher nur für die Hausmischung ihrer Kaffeebohnen beibehalten. Neben diesem Espresso, der zunächst eine prägnante Zitrus-Note hat und sich dann zu einer dunklen Schoko-Note entwickelt, bietet sie noch eine weitere Sorte an. Diese wechseln allerdings saisonal, wie auch beim Filterkaffee (3,30 Euro), von dem es aktuell einen aus Kolumbien und einen aus Panama gibt. Letzteren, der sich durch seinen fruchtigen und floralen Geschmack als mein persönlicher Favorit entpuppt hat, wird es nicht mehr lange im Sortiment geben. Also: Get it while it’s hot! Wobei, ganz so hot wie man den Kaffee in anderen Ländern trinkt, ist dieser nicht. „Traditionell wird der handgebrühte Kaffee bei etwas geringerer Temperatur getrunken – so funktioniert auch das Trinken aus den Tassen ohne Henkel.“  

Das war ein wichtiger Punkt in der Entwicklung des Konzepts, wie Stephanie erzählt. „Ich serviere den Kaffee ohne Zucker und Löffel, denn das Getränk ist meiner Meinung nach sehr edel und pur unglaublich vielfältig.“ Trotzdem stehen Zuckerdosen und Löffel auf den Tischen, falls jemand nicht mit dem Gedanken klar kommt, den Kaffee ungesüßt trinken zu müssen. Die Tassen für den Filterkaffee wurden von der norwegischen Porzellanfirma Figgjo gemeinsam mit Tim Wendelboe entwickelt.

Bei Kaltgetränken setzt Stephanie hauptsächlich auf junge, kleine und lokale Firmen, die ähnlich wie sie selbst den Mut hatten, etwas auf die Beine zu stellen. „Mit Aqua Monaco, Eizbach, Zazou und Tilman's Bier habe ich die richtige Balance für das Café gefunden.“ Auch wenn die Getränke über Händler geliefert werden, ist sie mit jedem persönlich im Kontakt. Das ist etwas, das ihr sehr am Herzen liegt. „Ob Mitarbeiter, Techniker, Kaffee-Röster, Kuchenlieferant, Bäcker, Steuerberater, Reinigungskraft – alles sind Partner bei denen eine gute persönliche Beziehung wichtig ist um sich weiterentwickeln zu können. Ich glaube kaum an Hierarchie, in meinen Augen sind wir alle gleichberechtigt. Es geht tatsächlich um den Menschen.“ Das merkt man auch an der herzlichen Art, mit der sie ihre Gäste empfängt. Jeder wird von Haus aus geduzt und sie lässt sich – solange es der Betrieb zulässt – immer für ein Gespräch begeistern. 

Transparenz, Ehrlichkeit, Offenheit und Gelassenheit sind Werte, die sie aus der isländischen Kultur übernommen hat. „Bei uns sagen wir „Þetta reddast”, also eine Art Zutrauen, dass alles aus einem guten Grund passiert. Denn in Island steht das Zusammenleben zwischen Mensch und Natur ganz stark im Vordergrund. Die Natur ist brutal, aggressiv und faszinierend und die Menschen haben keine Möglichkeit und keinen Bedarf dies unter Kontrolle zu bekommen.“

Stephanie ist es wichtig, entweder Produkte aus Island beziehungsweise Skandinavien zu vermarkten, oder eben lokale und regionale Produkte. „Essentiell ist, dass meine Partner und ich möglichst frische, regionale und saisonale Zutaten einsetzen, sowie Wert auf hohe Qualitätsstandards bei fairem Handel legen. Bio ist kein Muss. Wenn ich mit Bio-Zutaten arbeiten kann, umso besser. Ich glaube vielmehr an Direct Trade und regionalen Handel als an Fairtrade.“

Ihre Kaffeesorten werden von Wolgang Helmreich von der Vits Rösterei geröstet. „Ohne Alexander Vits und Wolfgang wäre ich lange nicht da, wo ich heute stehe. Die Zusammenarbeit macht extrem viel Freude, und wir lernen gemeinsam immer mehr und kommen immer weiter – eine schöne Reise!“

Wenn Stephanie den Kuchen (3,30 Euro) nicht selbst bäckt – was sie übrigens sehr gerne tut – kümmert sich darum entweder eine Mitarbeiterin oder sie bezieht ihn vom Café Kubitscheck im Westend. Unter der Woche stehen meist zwei Kuchen zur Auswahl, am Wochenende auch mehr. 

Seit kurzem stehen zudem Waffeln (5,20 Euro) auf der Karte, die entweder als süße Variante mit Früchten sowie herzhaft mit Lachs, Avocado oder vegetarisch serviert werden. Das Angebot ist relativ klein und einfach. Stephanie möchte nichts unnötig kompliziert machen. „Hauptsache frisch, gesund, ausbalanciert und farbenfroh! Der Leitspruch "Keep it simple" ist, glaube ich, das Wichtigste der nordischen Kultur.“ 

Dies setzt sie nicht nur kulinarisch, sondern auch in der Einrichtung um. Abgeleitet aus dem Logo hat die Inhaberin ein Farbkonzept in drei Blautönen definiert. Dazu kommt ein gelber Ton, der an das nordische Sonnenlicht erinnern soll und Optimismus ausstrahlt. Außerdem wird hier ausschließlich Musik isländischer Künstler gespielt.

Das Café soll die nordische Kaffeekultur aufleben lassen, daher steht das skandinavische Design ganz klar im Fokus: einfach, puristisch, minimalistisch, funktionell. Hauptsächlich Naturmaterialien wie Filz, Leder, Holz und Linoleum kommen hier zum Einsatz. Der Marmorsteinteppich in der Toilette soll an die isländischen Strände und Vulkanlandschaften erinnern.

„Ganz wichtig war mir auch, kein Glas zu verwenden, da es zu kalt und laut ist. Ebenso keine schwarze Farbe. Alles was typischerweise schwarz sein kann, ist bei mir stahlblau gefärbt: die Leuchten, Tischgestelle – selbst die Kaffeemaschine. Dazu kommen ganz kleine Details, die Bodenständigkeit vermitteln und mir besonders viel bedeuten. Zum Beispiel die kleinen Zuckerdosen an den Tischen, die von meiner Mutter bemalen wurden oder der Papagei-Taucher – eine Art Glücksbringer.“ 

Mit dem Café Blá hat Stephanie nicht nur ein neues Café geschaffen, das es in dieser Art in München bisher nicht gab. Sondern auch einen Ort zum Genießen, an dem man sich wohl fühlt und gerne mal die Zeit vergisst.

„Ich glaube an ein fröhliches Leben, in dem wir uns trotz der Hektik des Alltags und des sozialen Drucks einen Augenblick im Hier und Jetzt schenken und einfach loslassen dürfen. Mein Café soll einladend für Jung und Alt sein. Ich möchte andere Menschen in ihrer Freizeit zum Lächeln bringen und ihren Tag mit mehr Gelassenheit bereichern – allein oder in einer Gruppe, zu einer Arbeitsbesprechung, für einen Date, für fünf Minuten oder zwei Stunden. Oder auch nur für 30 Sekunden, wie es regelmäßig ein italienischen Gast tut. Das spielt keine Rolle. Jeder ist willkommen.“

 

Hier unsere Bewertung auf einen Blick

Café Blá
Lilienstraße 34
81669 München-Au

Öffnungszeiten
Mittwoch – Freitag: 9.00 – 18.00 Uhr
Samstag: 9.30 - 18.00 Uhr
Sonntag: 9.30 - 17.30 Uhr


So findet ihr das Café