Lasst uns anstoßen!

Resümee, Schlussstrich und Fazit. Es ist offiziell: die Untypisch-München-Crew hat ihr Studium hiermit beendet. Die Prüfungen sind geschrieben, Abgaben ausgehändigt und Präsentationen gehalten. Bevor es aber nun in den weitaus schöneren Teil weitergeht – dem euphorischen Anstoßen – sage ich, im Namen von Untypisch München, nochmal herzlich DANKE. 

Nadine, Ela und Lilly haben bisher noch keine Ahnung, dass dieses überaus sentimentale Schriftwerk für sie bestimmt ist. Holt die Taschentücher, auf diesen Moment warte ich schon sehr sehr lange – jetzt wird geweint. 

Szenenwechsel: Dienstag letzte Woche – sehr spät abends. Der eigentliche Grund warum ich seit mehr als 14 Stunden wach war – natürlich Prüfungen. Vor mir türmten sich die Kaffeebecher und Papiere. Mein Schreibtisch (virtuell und real) artete in undurchdringbares Chaos aus. Eigentlich hätte ich meine noch letzte freie Gehirnkapazität für „Konvergenz Hypothesen“ oder „Reichweiten-Einnahme Spiralen“ frei schaufeln sollen – Fehlanzeige. Ich fing an „aufzuräumen“ und bekam meine alte Festplatte zwischen die Finger. Darauf befinden sich noch immer Dokumente, Bilder und Videos von meinen letzten drei Jahren – natürlich auch von der Untypisch München Crew. Ich fing also an die Bilder durchzuklicken und blieb bei einem hängen. Die Hobbyfotografen unter euch hätten mir auf die Finger geklopft und mir zu verstehen gegeben wie unfassbar unscharf, verwackelt und überbelichtet dieses eine Bild sei. Mir aber trieb es die Tränen in die Augen – auch heute noch.  Es entstand im „Atomic Cafe“ an einem „Britwoch“. Auf dem Bild vier junge Frauen, alle für das Studium nach München gezogen. Dieser eine Abend hat eine Freundschaft entstehen lassen, die sich wahrscheinlich keine von uns hätte erahnen können.  

unfassbar unscharf, verwackelt und überbelichtet - aber ganz viel Liebe

unfassbar unscharf, verwackelt und überbelichtet - aber ganz viel Liebe

Nächster Szenenwechsel: Erster Tag an der Uni. Von Vorurteilen geplagt schritt ich durch die große Eingangstür. Drauf und dran gleich wieder umzudrehen, denn private Hochschulen haben einen bestimmten Ruf. Nach nur paar Minuten wurde ich eines Besseren belehrt. 

Vor mir sprang eine quirlige, leicht aufgedrehte aber zutiefst sympathische Nadine umher. Ruhig zu kriegen war sie nicht und kam innerhalb weniger Sekunden auf mich zugetrabt und hat, mit damals noch einem Ansatz von schwäbischen Dialekt gefragt, ob ich auch in die Aula muss. Mit etwas weniger Vorurteilen folgte ich ihr. In der Aula angekommen saß ich mich mit ihr zusammen in eine Ecke des Raumes – wohlbemerkt zu zweit auf einen Stuhl. Denn Stühle gab es zu wenig und für Nadine und mich war schon ab dem Moment glasklar – man versteht sich blendend. Noch am selben Abend bekam ich von ihr eine Nachricht auf Facebook an die ich mich noch heute gerne zurückerinnere: „Ich find dich klasse! Warst mir von Anfang an sowas von sympathisch. Diese Nachricht habe ich damals sogar meiner Mutter am Telefon vorgelesen, weil ich – um es mit Nadines Worten zu sagen – die Nachricht sowas von schön fand. 

Noch in der Aula lernte ich zusammen mit Nadine Lilly kennen. Wir kamen in nur wenigen Minuten auf das Thema Musik zu sprechen. Wie wichtig uns Musik sei und welche Künstler, Musikrichtungen und Genres wir hörten. Bei basslastiger Musik angefangen kamen wir am Ende auf Johnny Cash zu sprechen: „Du hörst Johnny Cash – ich mag dich jetzt schon.“ Mit keiner anderen Person kann ich so schön dämliche Unterhaltungen führen wie mit ihr. Sprichwörter sind ihre Spezialität (sagen wir, sie remixt gerne Sprichwörter) und wenn man nur lange genug wartet (jetzt aber auch keine Ewigkeit) kommt der Entertainer in ihr zum Vorschein. Liana, es ist ein Genuss dir dabei zuzusehen. 

Meine Michaela, bitte nimm mir das hier nicht krumm, aber wir hatten am ersten Tag noch nicht wirklich viel miteinander gesprochen. Erst eine Woche später als du abends vorm Restaurant etwas verloren standest und ich dich gefragt habe wo du denn hinmüsstest, kamen wir ins Gespräch. In der Tram auf dem Weg nachhause warst du noch im Vergleich zu heute so schüchtern – und damals wesentlich orientierungsloser in München unterwegs. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich mit keiner anderen Person so vieles gemein haben könnte wie mit dir - ich hätte es nicht ernst nehmen können. Wir beenden zwar nicht die Sätze des anderen, aber es kommt nicht selten vor, dass wir im selben Moment das Gleiche sagen oder denken. 

In den letzten drei Jahren haben wir Erfahrungen sammeln können wie kaum jemand. An alle Studenten da draußen, die gerade erst am Anfang stehen: Auf Euch wartet etwas ganz Großes. Ich glaube ich kann für uns alle sprechen, wenn ich behaupte diese Zeit war „großes Tennis.“ Durchgetanzte Nächte, stundenlange philosophische Gespräche über Gott und die Welt bis hin zu mitternächtlichen Besuchen, weil einem selbst so langweilig war. 

Dieser Post geht während unserer Abschlusspräsentation online. Wie schon erwähnt haben die anderen Mädels nicht die leiseste Ahnung davon. Drückt also die Daumen, dass nicht allzu viele Kommas fehlen (Nadine ist das Komma-Genie – nicht ich!) Und wer uns heute Abend durch die Straßen ziehen sehen sollte: feiert, tanzt und singt ausgiebig mit uns!

Nun stoßen wir also auf Freundschaften an. Auf alte Freundschaften – ohne die es einem vorkommt nicht mehr atmen zu können, und auf neue Freundschaften – die einen wachsen lassen und uns helfen die Person zu werden, die wir sein möchten.

Denn wenn die Stadt ruft werden Freunde zur Familie.

Alles Liebe, 

Lisa