Macheten-Scharf

„Wo wollen wir Essen gehen?“ – „La Taquería am Isartor vielleicht?“ – „Ja, da waren wir noch nicht und mexikanisch ist immer gut. Ich packe mal meine Kamera ein.“ Auf dem Weg checke ich schnell noch ein paar Bewertungen auf Google: Wenige, aber dafür leckere und frische Speisen zu fairen PreisenBesonders für Leute die mexikanisches Essen kennen extrem empfehlenswert! Hört sich vielversprechend an. Dass ich mexikanisches Essen nicht so gut kannte wie ich dachte, sollte sich mit dem Besuch in der La Taquería ändern. 

REAL MEXICAN FOOD

Burritos, Enchiladas und Quesadillas sind uns allen bekannt – zumindest glauben wir das. Am Tresen bestelle ich meinen Burrito (6,90 Euro) mit der „Pollo Wahaka“ Füllung, die laut Karte als Klassiker des Südens gilt: Gegrillte Hühnchenbrust in einer Sauce aus gerösteten Kürbiskernen, Erdnüssen und mexikanischen Gewürzen. Kaum habe ich mich mit meiner Fritz Cola (3,00 Euro) an einen Platz im wohl buntesten Lokal in ganz München gesetzt, ringt mein Pieper mit der Auftragsnummer und mein Teller wird mir vom freundlichen Personal am Tresen in die Hand gedrückt.

So schmeckt also ein traditioneller Burrito. Sehr lecker – und anders, als ich mexikanisches Essen in Deutschland bisher kenne. Denn die große Weizen-Tortilla-Rolle wird nach mexikanischem Rezept mit Reis, Käse, Chili-Kraut und Schwarze-Bohnen Mousse gefüllt. Plus der persönlich gewählten Füllung. Neben meinem „Pollo Wahaka“ wählt man zwischen drei weiteren Fleisch- und zwei Veggie-Varianten. Serviert wird das Ganze dann mit Chips, Salsa Chipotle, Sauerrahm und Guacamole. Die Speisekarte, die teils scharfe aber auch milde Köstlichkeiten beinhaltet, kann man sich vor seinem Besuch auch schon mal online auf der Website anschauen. Neben Burritos stehen Enchiladas, Tacos, Quesadillas und Tortas sowie Salate, Wraps und Nachos auf der Karte, die übrigens in nächster Zeit noch mal überarbeitet und angepasst wird, aber keineswegs an Tradition verlieren soll.

GLAUBE NIE EINEM MEXIKANER DER SAGT ES SEI NICHT SCHARF!

Wären wir mit richtigem mexikanischen Essen vertrauter – hätten wir uns wohl auch für ein anderes Getränk als die gute alte Cola entschieden. Das dachte sich wohl auch Iván, Inhaber des Lokals am Isartor und brachte uns eine Auswahl mexikanischer Säfte zum Probieren an den Tisch, die man übrigens nicht nur zum dortigen Verzehr, sondern auch zum Mitnehmen bekommt. Meine Favoriten: "Jamaica", ein Saft aus Hibiskusblüten und "Horchata", der mit Reismilch, Mandeln und Zimt zubereitet wird und wie eine Art Milchreis zum Trinken schmeckt. Köstlich!

Ein weiterer, diesmal alkoholischer Drink, der echt mexikanisch ist, ist der San Cosme Mezcal. Dieser Schnaps ist sozusagen ein Verwandter von Tequila, schmeckt jedoch anders und wird auch etwas anders getrunken. Er wird nicht geext, wie uns Iván erklärt, sondern eher geküsst – also langsam getrunken. Statt Zitrone wie bei Tequila Silber, gibt es eine Orange, statt Salz ein mit Salz verfeinertes Chilipulver. Trotz der Prophezeiung des Inhabers es schmecke lecker und sei nicht scharf, habe ich meine Begleitung vorkosten lassen, da ich kein Fan von Hochprozentigem bin. Ihr Urteil: gut! Mein Urteil: zu stark, zu scharf, viel zu scharf, Macheten-Scharf!

MEXIKANISCHE LEBENSART

Eine Taquería gehört in Mexico einfach dazu. Es gehört zum Lebensgefühl, sich in dieser Art von Imbiss zum Quatschen und Essen zu treffen. Genau so ein Ort wurde mit der La Taquería am Isartor, am Hirschgarten und in Moosach, geschaffen. Die mexikanische Musik, die bunte und charmante Einrichtung und natürlich die leckeren Speisen und Getränke laden zum Bleiben und einem entspannten Abend mit Freunden ein. Zwar werden alle Gerichte auch zum Mitnehmen angeboten, allerdings sollte man sich die Zeit nehmen einen Blick auf die außergewöhnliche Dekoration zu werfen. Zu dem Zeitpunkt, an dem wir die Fotos machen, wurde das Lokal zur Feier der Unabhängigkeit Mexicos etwas umdekoriert und ist nicht immer so vorzufinden. Allerdings befinden sich die sogenannten Lucha-Libre-Masken, die man von mexikanischen Wrestlern kennt, immer und überall im Restaurant: auf den Barhockern, als Neonröhren an der Wand, auf den T-Shirts der Mitarbeiter – selbst die japanischen Manekineko-Katzen im Regal winken einem mit übergezogenen Wrestlermasken zu. Eine etwas skurrile Idee, aber solange sie neben den Kakteen und bunten Totenköpfen nicht zu „Machete“ mutieren soll es Recht sein. 

- Michaela